Thermografie und radiometrische Eigenschaften
Sichtfeld und Temperaturmessung


Thermografische Grundlagen der radiometrischen Temperaturmessung
Dieses Kapitel soll einen kurzen Überblick über die radiometrische Temperaturmessung mit Infrarotkameras geben. Voraussetzung für eine Temperaturmessung mit der IRSX ist, dass die Kamera kalibriert ist. Dies lässt sich anhand des GenICam-Knotens „Radiometric Control“ in den Kameraeigenschaften erkennen.
Die Kameraserie IRSX ist ausschließlich mit Wärmesensoren ausgestattet. Ein wesentliches Merkmal dieser Sensoren ist die direkt proportionale Beziehung zwischen der von einem Objekt auf den Detektor einfallenden Strahlungsenergie und dem Messwert. Die Strahlungsenergie hängt nichtlinear von der Objekttemperatur ab und wird sowohl von den Umgebungsbedingungen als auch von den Objektparametern beeinflusst.
Um die Temperatur eines Objekts anhand seiner Infrarotstrahlung messen zu können, ist es unerlässlich, einige Parameter der Messsituation zu kennen. Die wichtigsten Parameter sind in der folgenden Skizze dargestellt.
Emissionsgrad


Bestimmung des Emissionsgrades des Objekts
Messung der Objekttemperatur mit einem Thermoelement
Verwendung eines Referenzmaterials
Temperaturberechnung aus dem Kamerasignal (Flux Linear)

Die meisten IRSX-Modelle können zwei Kalibrierungssätze speichern. Dies ermöglicht einen Objektivwechsel ohne Neukalibrierung. Die zu den Objektiven gehörenden Kalibrierungssätze können in den GenICam-Knoten unter der Kameraeigenschaft„Lens Selector“inder Gruppe„Lens Control“ ausgewählt werden. Bei Lieferung ohne Ersatzobjektiv ist der entsprechende Kalibrierungssatz standardmäßig unter „Lens1“ gespeichert. Für jeden Kalibrierungssatz können Sie mithilfe derEigenschaft„Temperature Range Selector“ zwischen dem hohen und dem niedrigen Temperaturmessbereich wechseln.
Bei der Temperaturberechnung müssen äußere Umwelteinflüsse wie die Umgebungstemperatur berücksichtigt werden. Die Objekttemperatur lässt sich nach folgender Formel berechnen:

Um aus dem Kamerasignal einen Temperaturwert zu berechnen, werden die Parameter R, B, F und O benötigt. Diese können aus der Kamera ausgelesen werden. Außerdem müssen die Umgebungsparameter bekannt sein.
Tabelle: Parameter

Zur Berücksichtigung der atmosphärischen Transmission kann für kurze Entfernungen𝜏Atm = 1 angenommen werden. Ist kein Schutzglas vorhanden, kann𝜏Lens = 1 verwendet werden. Um die Temperatur aus dem Signalwert zu berechnen, müssen zunächst die folgenden Parameter ermittelt werden.
Berechnung der Emissionsgrade:









Temperaturberechnung mit Kameratemperaturlinearisierung (TLinear)
Die IRSX-Serie ermöglicht die Berechnung eines output , das direkt proportional zur Objekttemperatur ist. Es stehen zwei Genauigkeitsstufen zur Verfügung, die sich in ihrer Dynamik unterscheiden. Die Funktion kann in den GenICam-Knoten unter„Radiometric Pixel Format“inder Gruppe„Radiometric Control“ ausgewählt werden.
Die folgende Abbildung zeigt die Auswahl der Temperaturlinearisierung mit dem Faktor 0,04:

Angenommen, der Signalwert eines Pixels beträgt 7600, so wird die Temperatur wie folgt berechnet:
Temperatur in Kelvin

Temperatur in Grad Celsius

Tabelle der Emissionsgrade
Material | Oberfläche | Temperatur [°C] | Emissionsgrad |
|---|---|---|---|
Aluminium | poliert | 20 | 0.04 |
oxidiert, stark | 20 | 0,83–0,94 | |
Kupfer | poliert | 100 | 0.05 |
oxidiert, stark | 20 | 0.78 | |
Eisen | Guss, oxidiert | 100 | 0.64 |
Blech, stark verrostet | 20 | 0,69–0,96 | |
Nickel | poliert | 20 | 0.05 |
Edelstahl (18-8) | poliert | 20 | 0.16 |
oxidiert | 60 | 0.85 | |
Stahl | poliert | 100 | 0.07 |
oxidiert | 200 | 0.79 | |
Ziegelstein | rot | 20 | 0.93 |
Karbon | 20 | 0.93 | |
Beton | trocken | 35 | 0.95 |
Glas | 35 | 0.97 | |
Öl, Schmiermittel | 17 | 0.87 | |
0,03 mm Folie | 20 | 0.27 | |
0,13 mm Folie | 20 | 0.72 | |
Dicke Beschichtung | 20 | 0.82 | |
Ölfarbe | Auswahl aus 16 Farben | 20 | 0.94 |
Papier | weiß | 20 | 0,07–0,90 |
Gips | 20 | 0,86–0,90 | |
Gummi | schwarz | 20 | 0.95 |
Menschliche Haut | 32 | 0.98 | |
Boden | trocken | 20 | 0.92 |
mit Wasser gesättigt | 20 | 0.95 | |
Wasser | destilliert | 20 | 0.96 |
Frostkristalle | -10 | 0.98 | |
Schnee | -10 | 0.85 |
Zerstörungsfreie Prüfung (ZFP)
Die aktive Thermografie ermöglicht als zerstörungsfreie Prüfmethode die schnelle und zuverlässige Erkennung versteckter Fehler wie Risse oder Delaminationen. Zu diesem Zweck wird das Bauteil durch eine externe Energiequelle angeregt und erwärmt. Eine Infrarotkamera erfasst anschließend die Temperaturverteilung an der Oberfläche, die durch Unregelmäßigkeiten im Material beeinflusst wird. Das Ergebnis sind kontrastreiche Bilder, die eine präzise Qualitätskontrolle ermöglichen – berührungslos, effizient und ohne das Bauteil zu beschädigen.





